Perspektiven für die Tourismusbranche in Brandenburg eröffnen

Die Tourismusbranche braucht dringend Hilfe und einen längerfristigen Plan.

Am gestrigen Dienstag trafen mein Kollege Dr. Klaus-Peter Schulze, Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Tourismus, und ich uns, um im Rahmen einer Veranstaltung mit Touristikern aus Brandenburg an der Havel und Umgebung über die gegenwärtige Situation der Branche zu sprechen. Gegenstand waren aktuelle Herausforderungen im Übernachtungs-, Gastronomie-, Veranstaltungs-, und wassertouristischen Gewerbe.

Es wurde deutlich, wie sehr die Tourismusbranche unter den derzeitigen Beschränkungen leidet. Sowohl für mich als auch für die gestern anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer ist natürlich klar, dass die Hygienemaßnahmen sowie die Kontaktbeschränkungen zum Schutz der Bevölkerung unabdingbar sind. Dennoch wurde ersichtlich, dass es Möglichkeiten gibt, unter den gegebenen Rahmenbedingungen bestimmte Zweige des Tourismus stufenweise zu öffnen sowie langfristige Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.

Folgendes Zweistufenmodell wurde erarbeitet:

Stufe 1: Lockerungsmaßnahmen ab 4. Mai 2020 Öffnung der Häfen, Marinas, Kanu- sowie Ruderbasen und Aufhebung des Ein- und Auslaufverbotes. Gestattung der Vermietung von Ferienwohnungen sowie Pensionen und schwimmenden Häusern/Hausbooten in Häfen unter Einhaltung der allgemeinen kontaktbegrenzenden Maßnahmen (max. 2 Personen oder Personen aus einem gemeinsamen Haushalt). Vermietung von Booten an Gäste unter den bestehenden Kontaktbeschränkungen gemäß den jeweils geltenden Vorschriften. Vermietung von Campingmobilen an Familien bzw. Personen aus einem gemeinsamen Haushalt. Öffnung der Außenflächen der Gastronomie unter Abstandsauflagen sowie Öffnung des Hotelbetriebs mit der Maßgabe der individuellen Zimmerversorgung.

Stufe 2: Zusätzliche Lockerungsmaßnahmen ab 18. Mai 2020 Vollständige Öffnung der Gastronomie (im Innenbereich unter Auflagen) sowie der Hotellerie. Von zentraler Bedeutung ist die Eröffnung einer Perspektive, welche den Betrieben eine längerfristige Planung ermöglicht.

Im Rahmen des gestrigen Gesprächs wurden folgende Erwartungen und Forderungen formuliert:

1. Planbarkeit

Die Betriebe brauchen klare terminliche Zusagen für Öffnungen. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Kundenkommunikation von enormer Bedeutung;

2. Schrittweise Öffnung

Ein Szenario zur Wiederöffnung der Betriebe unter den geltenden Gesetzen und Verordnungen ist durch die Staatskanzlei zu entwickeln;

3. Definition Großveranstaltung

Die Branche braucht frühzeitig kommunizierte und transparente Definitionen.

4. Zweites Hilfspaket

In Baden-Württemberg soll ein Nothilfeprogramm in Höhe von 328 Millionen Euro für Gastronomiebetriebe auf den Weg gebracht werden. Die Unternehmerinnen und Unternehmer müssen an solchen Hilfspaketen partizipieren können. Alternativ ist eine Erweiterung der Vergaberichtlinie der Corona-Soforthilfe auf Einkommensausfälle notwendig. Einige Betriebe und die damit verbundenen Existenzen stehen ohne Hilfe für Einkommensausfälle vor dem finanziellen Ruin.

5. Regionale Unterschiede

Das Land Brandenburg verfügt über vielfältige wassertouristische Möglichkeiten sowie weite Wald- und Wanderwege. Regionale Unterschiede müssen in der Betrachtung miteinbezogen werden.

Das Land Schleswig-Holstein plant einen Neustart des Tourismus in mehreren Schritten, dieser soll am 4. Mai 2020 beginnen. Ein ähnliches Modell muss im Land Brandenburg zeitnah erarbeitet werden.

Auch die Landesregierung und Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern sehen bereits einen Fünf-Phasen-Plan für den Tourismus vor:

1. Schritt: Rückkehr auswärtiger Besitzer von Ferienwohnungen und von einheimischen Dauercampern vom 1. Mai an;

2. Schritt: vorsichtige Wiedereröffnung der Gastronomie;

3. Schritt: Übernachtungen für Urlauber aus MV;

4. Schritt: Gäste aus anderen Bundesländern dürfen wieder in MV übernachten;

5. Schritt: Tagestourismus und internationaler Tourismus werden wieder zugelassen.

Konkrete Ideen und Maßnahmen gibt es also genug. Es wird Zeit, dass wir in Brandenburg ähnliche Fahrpläne auf den Weg bringen. Wir müssen handeln! Jetzt!