10 Fragen an die Bundestagsabgeordnete Dr. Dietlind Tiemann

Sie sind in Genthin geboren und im schönen Brandenburg an der Havel aufgewachsen. Hier haben Sie später Ihren Mann Klaus-Peter kennengelernt und Ihre berufliche Entwicklung vollzogen. Skizzieren Sie kurz ihren Werdegang.

Dietlind Tiemann: Meine Kindheit habe ich in Neuenklitsche bei Genthin und Zabakuck erlebt. Die Region ist heute noch meine 2. Heimat. 1966 sind wir nach Brandenburg an der Havel gezogen, wo ich an der Rochow-Schule lernte und später an der Goethe EOS mein Abitur machte. Danach habe ich vier Jahre in Berlin ein Diplomstudium in Ökonomie absolviert. Nach dem Studium arbeitete ich bis Anfang der 1990er Jahre im Landbaukombinat, dass später Brandenburgische Bau hieß, wo ich zuletzt amtierende ökonomische Direktorin war. 1994 gründete ich meine eigene Baufirma. Mit der Wahl zur Oberbürgermeisterin in Brandenburg habe ich die Geschäftsführung meiner Baufirma abgegeben und bin nun seit mehr als 15 Jahren hauptamtlich mit viel Leidenschaft in der Politik unterwegs. Ich habe einen Sohn und eine Enkelin und bin seit 40 Jahren glücklich verheiratet.

Was bedeutet für Sie Heimat?

Dietlind Tiemann: Heimat ist für mich mehr als nur Zuhause zu sein. Heimat sind für mich die Orte, an denen ich gelebt habe bzw. lebe, wie mein Dorf bei Genthin und Brandenburg an der Havel. Heimat, das sind meine Freunde und Familie.

Fällt Ihnen spontan eine Anekdote bzw. ein einschneidendes Erlebnis zu ihren ersten Tagen im Bundestag ein?

Dietlind Tiemann:
Mit meinem Frankfurter Kollegen Martin Patzelt habe ich am ersten Tag irrtümlicherweise zunächst auf den Plätzen einer anderen Partei gesessen. Als wir uns dann umsetzen wollten, gab es keine guten Plätze mehr in unserer Fraktion. Daher gehe ich jetzt rechtzeitig zu Sitzungen.

Ihnen wird nachgesagt, dass Sie großes Interesse für den Sport haben.

Dietlind Tiemann: Ja, ich treibe selbst Sport und habe mich in vielen Sportarten ausprobiert. So war ich in jungen Jahren im Reitsport tätig, habe bei der BSG Aufbau geturnt, bin Segelflugzeuge geflogen, Wasserski gefahren, habe Handball gespielt und habe im Arbeitervarité des Stahlwerkes getanzt. 

Sie waren 14 Jahre Oberbürgermeisterin. Was zählen Sie zu den größten Erfolgen aus dieser Zeit?

Dietlind Tiemann: Die Brandenburgerinnen und Brandenburger haben ein neues Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl mit Liebe zur Stadt bekommen. Sind heute stolz darauf, in dieser schönen Stadt zu leben. Brandenburg an der Havel genießt bundesweit einen hervorragenden Ruf. Das ist sicher auf die vielen Veränderungen in der Stadt zurück zu führen. Es gibt nicht das eine Ereignis, es sind die vielen Dinge die WIR als Team bewegen konnten und das Brandenburg an der Havel zu dem machen was es heute ist.

Wo hat Brandenburg an der Havel noch Potential?

Dietlind Tiemann: Die Infrastruktur muss hinsichtlich der Anbindung an die Autobahn 2 besser entwickelt werden. Wir müssen schauen, wie wir mehr Fracht über die Wasserstraße und auf der Schiene transportieren und die Taktfrequenz der Regionalzüge Richtung Berlin und Magdeburg für unsere Berufspendler verdichten.

Warum haben Sie Ihr Amt als Oberbürgerbürgermeisterin aufgegeben und was reizt Sie an der neuen Aufgabe als MdB?

Dietlind Tiemann:
Nach vielen Jahren als (leitende) Angestellte, selbständige Unternehmerin und zuletzt Oberbürgermeisterin möchte ich meine Erfahrungen in die Gesetzgebung einbringen. Vor allem in meinen Fachbereichen Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft möchte ich dazu beitragen, dass Gesetze umsetzbar und an den Erfordernissen aus der Praxis angepasst werden.

Sozialpolitik heißt auch, neue Arbeitsplätze zu schaffen bzw. bestehende zu erhalten. Was können Sie als Abgeordnete dafür tun, dass die Wirtschaft besser läuft?

Dietlind Tiemann: Die Vorgaben für die Wirtschaft müssen entbürokratisiert werden. Das Fachkräfteangebot muss durch eine bessere Bildung und ein neues Einwanderungsgesetz verbessert werden. Außerdem möchte ich meine Kontakte im Bundestag dafür nutzen, mehr Unternehmertum nach Brandenburg an der Havel zu holen um somit die heimische Wirtschaft zu stärken.

Was möchten Sie in der aktuellen Wahlperiode erreichen?

Dietlind Tiemann: Zum Ersten möchte ich Ansprechpartnerin für die Bürgerinnen und Bürger aus der Region für die Bundespolitik sein. Zum Zweiten will ich daran mitarbeiten, den neuen Bildungsrat zu einer wirksamen Institution für die Qualitätsverbesserung in der bundesweiten Bildung zu entwickeln. Drittens begleite ich den Medizinmasterplan 2020 unserer Medizinischen Hochschule Brandenburg-Neuruppin, der Vorzeigemodell einer bundesweiten Ausbildung von Ärzten werden soll. Durch ihn schaffen wir es, die ärztliche Versorgung vor allem im ländlichen Raum deutlich zu verbessern.

Wie möchten Sie Menschen, die politikverdrossen sind, dazu bewegen, wieder wählen zu gehen?

Dietlind Tiemann:
Politiker müssen in ihrem Verhalten authentisch sein und sich ihre eigene Meinung bilden. Sie dürfen nicht zu feige sein, sich mitunter auch unbequemen Diskussionen zu stellen. Ganz wichtig ist, Zeit für das zu haben, was die Menschen umtreibt. Ich bin deshalb sehr gerne vor Ort, um mit den Beteiligten zu sprechen.